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SCHWAEBISCHE Zeitung Meckenbeuren: Erika Eichwald spielt mit der vierjährigen leukämiekranken Tina

09.02.2018
Elisabeth Mogg, Koordinatorin vom Kinderhospizdienst Amalie, und die ehrenamtliche Patin Erika Eichwald, orientieren sich an den individuellen Problemen der betroffenen Familien. (Foto: Stiftung Liebenau )

Kinderhospizdienst Amalie der Stiftung Liebenau informiert am Samstag in Ravensburg über die ehrenamtliche Arbeit.

Liebenau/Ravensburg sz. Der Tag der Kinderhospizarbeit am 10. Februar schafft Aufmerksamkeit für die Situation von Familien, in denen ein Kind oder ein Elternteil lebensbedrohlich oder lebensverkürzend erkrankt sind. Auf dem Ravensburger und Wangener Wochenmarkt stellt deshalb der Kinderhospizdienst Amalie an diesem Tag seine Arbeit vor, auf dem Marienplatz in Ravensburg zwischen 9 und 13 Uhr.

 

Jede Woche, wenn Erika Eichwald die vierjährige Tina besucht, spielen sie gemeinsam. Die meiste Zeit spielen sie Krankenhaus. Der Blutdruck wird gemessen, das Herz wird abgehört – denn Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte gehören seit einem Jahr zu Tinas Welt. Das kleine Mädchen ist an Leukämie erkrankt. Regelmäßig muss sie in die Klinik zur Chemotherapie. Aufgrund des schlechten Immunsystems und der Gefahr einer Ansteckung darf sie den Kindergarten nicht besuchen, kann kaum nach draußen gehen und nur selten Besuch zu Hause empfangen.

 

 

Die ehrenamtliche Patin Erika Eichwald engagiert sich seit sechs Jahren beim ambulanten Kinderhospizdienst Amalie, einem Angebot der Stiftung Liebenau und des Malteser Hilfsdienstes im Landkreis Ravensburg und im Bodenseekreis.

 

Familien entlasten und stärken

 

In einem rund 100 Stunden dauernden Qualifizierungskurs hat Erika Eichwald sich von Amalie zur Patin ausbilden lassen. „Das Thema Tod und Trauer gehört zu unserem Leben dazu“, erzählt die 78-Jährige Seniorin, die derzeit die älteste Patin ist. „Ich wollte einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, und der Umgang mit Kindern liegt mir sehr am Herzen.“

 

 

Für Erika Eichwald ist es wichtig, den Menschen zu helfen, die es härter trifft als andere. Sie will für die Kinder da sein, die gerade nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. In bereits drei Einsätzen hat sie an regelmäßigen wöchentlichen Terminen Familien begleitet, oft über einen sehr langen Zeitraum. Dabei ist sie nicht nur Spielpartnerin für die Kinder, sondern auch Ansprechpartnerin für Eltern oder Verwandte. Auch für Tinas Mutter hatte Erika Eichwald ein offenes Ohr, in Zeiten, wo es kaum Außenkontakte und nur deprimierende Geschichten aus dem Krankenhaus gab. Die Patin ist dafür da, ein Stück Normalität im Alltag zu ermöglichen und übernimmt auch Aufgaben für die in den Familien wenig Zeit bleibt, wie etwa die Betreuung der Geschwister. Ihr Engagement bei Amalie ist Erika Eichwald aber nicht nur Herzensangelegenheit: „Auch ich brauche es, gebraucht zu werden. Ich gebe ja nicht nur, ich bekomme ganz viel zurück.“ Es ist eine schwierige Arbeit, aber nicht immer hoffnungslos. Mancher Einsatz entwickelt sich auch zu einer Mutmach-Geschichte, so wie bei der kleinen Tina. Bei ihr haben die Therapien mittlerweile gut angeschlagen, sie scheint gesund zu sein, kann den Kindergarten wieder besuchen und spielt seit kurzem am liebsten Bauernhof. Wichtig in der Arbeit ist der offene Umgang mit dem Thema Krankheit und Tod. „Es ist kein einfacher Dienst, aber wir lassen die Familien und auch ihre ehrenamtlichen Begleiter nicht allein“, so Elisabeth Mogg von Amalie, Koordinatorin für den Landkreis Ravensburg.

 

Paten sind gefragt

 

Einmal im Monat findet in Form einer Fortbildung, Praxisbegleitung oder Supervision ein Austausch für alle Paten statt. Die Nachfrage durch die Familien wächst stetig und daher sucht Amalie aktuell neue Interessierte für das Ehrenamt. Ganz besonders selten, aber gerade bei den Familien mit Jungen sehr begehrt, sind vor allem männliche Paten aus dem näheren Umkreis von Ravensburg und Weingarten. „Auch Menschen aus anderen Kulturkreisen sind bei uns herzlich willkommen“, berichtet Elisabeth Mogg. Denn gerade die Themen Tod und Trauer werden in jedem Kulturkreis anders verarbeitet.

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