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Malteser in Überlingen

SCHWAEBISCHE Zeitung: Liebenau - Dieser Tag ist ein Geschenk

03.06.2019
An diesem Tag sind die Familien mit einem Kind, das eine Behinderung hat, nicht alleine, sie sind unter Gleichgesinnten und mit viel Spaß im Ravensburger Spieleland unterwegs. (Foto: Stiftung Liebenau)

Im Mittelpunkt des Erlebnistages der „Geschwisterzeit“ im Ravensburger Spieleland stehen Geschwisterkinder, die mit einem behinderten oder chronisch kranken Kind gemeinsam in einer Familie aufwachsen. Bei strahlendem Sonnenschein tummelten sich Sonntag zahlreiche Familien im Freizeitpark. Eigentlich sei es ein Tag wie jeder andere und doch begegne man an diesem Tag ganz besonderen Familien im Labyrinth, auf der Wildwasser-Rutsche oder im Hühnerstall, schreibt die Stiftung Liebenau. Es seien Familien, in denen ein behindertes oder chronisch krankes Kind mit den Geschwistern gemeinsam aufwachse.

Linus ist ein solches „Schattenkind“. Sein kleiner Bruder ist mit einer körperlichen Behinderung auf die Welt gekommen. Für Linus ist das ganz normal und mit seinen 12 Jahren würde er nie zugeben, dass ihm etwas fehlt. Aber seine Mutter Silvia merkt schon, dass Linus oft zurückstecken muss. „Umso wichtiger ist das Angebot der „Geschwisterzeit“ für uns“, erzählt sie. Linus ist regelmäßig beim Hüttenwochenende dabei und trifft dort auf andere Kinder, die in einer vergleichbaren Lage sind. „Es tut gut zu merken, dass man nicht alleine ist.“ Ähnlich geht es vielen Geschwisterkindern, die an diesem Tag im Ravensburger Spieleland unbeschwerte Stunden genießen.

„Dieser Tag ist ein Geschenk“, strahlt Sonia, Mutter von zwei Töchtern, von denen die ältere einen Herzfehler hat. „Wir können als Familie einen gemeinsamen Tag verbringen und wir treffen auf Familien, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.“ Die „Geschwisterzeit“ hat den Familien für diesen besonderen Tag den Eintritt geschenkt. Für die Verantwortlichen, Jasmin Gmünder und Christoph Gräf, war der Tag ein ganz besonderes Ereignis: „So vielen fröhlichen Familien zu begegnen, die es im Alltag wahrlich nicht leicht haben, ist eine wunderbare Erfahrung“. Für sie ist der Tag auch deshalb wichtig, weil sie durch den direkten Kontakt mit den betroffenen Familien immer neue Anregungen für die Ausgestaltung der Angebote bekommen. „Der ländliche Raum stellt uns und die Familien vor logistische Herausforderungen“, berichtet Christoph Gräf.

Schwierigkeit ländlicher Raum

In diesem Jahr wurden speziell die Familien aus den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und dem Bodenseekreis eingeladen, die die regelmäßigen Gruppenangebote der „Geschwisterzeit“ nutzen. Die Familien kommen unter anderem aus Hohentengen, Leutkirch oder Langenargen - ein großes Einzugsgebiet. Viele der Familien wünschen sich regelmäßige Gruppenangebote für ihre Kinder, die aber mit weiten Wegen und einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden sind. „Wir bräuchten ein Vielfaches an finanziellen Mitteln, um für diese Familien dezentral erreichbare, niederschwellige und nachhaltige Angebote einzurichten“, so Gräf.

Die „Geschwisterzeit“ wird getragen von der Stiftung Liebenau, der St. Jakobus Behindertenhilfe, der St. Elisabeth-Stiftung und dem Malteser Hilfsdienst. Die Angebote sind zu finden auf www.geschwisterzeit.de und für Geschwisterkinder kostenlos. Die Geschwisterzeit finanziert sich ausschließlich über Spenden. Eine Finanzierung durch die öffentliche Hand ist nicht gegeben.

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