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Malteser in Überlingen

SCHWAEBISCHE Zeitung Ravensburg: Retter am Marienwallfahrtsort

22.07.2019
Vor Ort im Einsatz (von links): Roman Baznych (Malteser Ukraine), Vitus Graf von Waldburg-Zeil (Malteser RV-Weingarten), Dr. Drina Skopa (Medjugorje), Schwester Branca Brojkovic (Medjugorje), Udo Blaseg (Malteser RV-Weingarten) und Rostyslav Prystupa (Malteser Ukraine). (Foto: Malteser)

Weit mehr als eine Million Menschen pilgern Jahr für Jahr nach Medjugorje, dem Marienwallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina. Brütend heiße Sommer, unwegsames Gelände – um die Pilger aus rund 60 Nationen zu versorgen, helfen die Malteser seit 20 Jahren in der einzigen medizinischen Ambulanz vor Ort. Menschen wie die Weingartener Malteser Vitus Graf von Waldburg-Zeil und Udo Blaseg – in diesem Jahr zusammen mit den Maltesern Roman und Rostyslav aus der Ukraine und Marta aus Polen.

Klein und unscheinbar war der Ort, etwa 30 Kilometer südwestlich der Stadt Mostar gelegen, im kroatisch besiedelten Teil Bosnien-Herzegowinas. Gerade einmal 400 Seelen zählte die Gemeinde zu Beginn der 1980er-Jahre.

Laut Pressemitteilung änderte sich dies schnell, als 1981 die ersten Marienerscheinungen weltweit für Aufsehen sorgten. Schnell verbreitete sich die Nachricht. Noch im selben Jahr kamen die Pilger zu abertausenden. Schnell wuchs die Bevölkerung im Ort - heute sind es mehr als 4000 Einwohner.

Mit der Zeit entsand einer der größten Wallfahrtsorte Europas. Als solcher ist Medjugorje bis heute zwar nicht offiziell anerkannt. Doch der Vatikan beobachtet die Entwicklung aufmerksam durch einen eigens dafür beauftragten Erzbischof. Die Malteser unterstützen aktiv die einzige medizinische Ambulanz des Ortes, die Ambulanz „Marijina Pomoc“ auf dem Kirchengelände.

„Alle Malteser, die schon einmal in Medjugorje waren sagen, dass dieser Einsatz total klasse ist“, schwärmt Vitus Graf Waldburg. In Weingarten ist er der Bezirksbeauftragte der Malteser für ganz Oberschwaben. In Medjugorje hilft er als Einsatzsanitäter im Rettungsdienst. Udo Blaseg ist Kreisbeauftragter für den Landkreis Ravensburg.

In Medjugorje engagiert er sich als Krankenpfleger in der Ambulanz. Zum dritten Jahr in Folge ist Graf Waldburg mit Herzblut dabei und haben sich in diesem Sommer erneut für zwei Einsatzwochen gemeldet. Im Erdgeschoss der Ambulanz „Marijina Pomoc“ befindet sich die Ambulanz. Dort arbeiten die Malteser Hand in Hand mit jeweils einem Arzt und einer Krankenschwester aus der Region und versorgen erkrankte und verletzte Pilger sowie Einheimische. Im Dachgeschoss sind die einfachen Quartiere für die ehrenamtlichen Helfer. Bis zu sechs Malteser ziehen hier für jeweils 14 Einsatztage ein.

Dieses Mal sind auch Malteser aus der Ukraine und zum wiederholten Male aus Polen dabei – alles Medizinstudenten in fortgeschrittenen Semestern. Wegen ihrer guten Ausbildung waren sie sofort uneingeschränkt einsetzbar. Gearbeitet wurde im Zweischichtsystem.

Alle Pilger werden kostenlos versorgt, die Ambulanz finanziert sich ausschließlich über Spenden. Daraus werden die Gehälter der bosnischen Ärzte und Schwestern, der Erhaltungsaufwand, medizinisches Verbrauchsmaterial und die Medikamente bezahlt. Das auch bei sparsamsten Wirtschaften entstehende jährliche Defizit muss durch die Malteser ausgeglichen werden.

Den Dienst der Malteser kann man beschreiben als Mischung aus Rettungsdienst, Bergwacht, Sprechstundenhilfe, Krankenpflege und medizinischer Assistenz. „Von Bauch- und Gelenkschmerzen, entzündeten Insektenstichen, vielen Kreislaufproblemen, Schürf-, Schnitt- und Platzwunden bis zu verknacksten Knöcheln und Frakturen ist alles dabei. Wir hatten in unserer 14-tägigen Schicht alle Hände voll zu tun“, bilanziert Udo Blaseg. Kein Wunder: Pilger aller Altersklassen wollen hinauf auf den Erscheinungsberg und den Kreuzberg.

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