Navigation
Malteser in Überlingen

SCHWAEBISCHE Zeitung: Friedrichshafen - Unsichere Defibrillatoren im Umlauf: Stadt gibt Entwarnung

14.08.2019

Das Landesministerium für Soziales und Integration hat einen Rückruf für Defibrillatoren gestartet. Dabei geht es um sogenannte automatisierte externe Defibrillatoren (AED) der Marke Telefunken AED Modell FA1 und HR1, die ein Sicherheitsrisiko darstellen. Seit 2016 bringt der niederländische Hersteller Defiteq International B.V. diese Geräte ohne gültiges CE-Zeichen auf den EU-Markt.

Trotz bereits zuvor ausgesprochenen Verbots verkauft der Hersteller die Defibrillatoren mit gefälschten Bescheinigungen. Wie viele dieser Defibrillatoren im Umlauf sind und wo sie derzeitig noch eingesetzt werden, ist laut Landesministerium nicht lückenlos nachzuverfolgen.

Defibrillatoren retten leben

Bei lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen zählt jede Minute. Bevor der Notarzt vor Ort ist, können automatisierte externe Defibrillatoren da lebensrettend sein. Diese werden entsprechend speziell zur laienhaften Anwendung für Erste Hilfe gebaut und auch als „Laiendefi“ bezeichnet.

Oftmals sind Menschen am Unfallort jedoch unsicher, wenn es um die Erstversorgung geht. „Dabei ist das Schlimmste, was man machen kann, nichts tun“, sagt Stefan Senn, stellvertretender Kreisgeschäftsführer der Malteser Bodensee. Er war selbst lange Rettungsassistent und kennt die Hemmungen von Menschen, bei Notfällen aktiv zu werden.

Ersthelfer haben oft Hemmungen

„Die Menschen zücken das Handy eher zum Fotografieren als für den Notruf“, sagt er. Dabei helfe Betroffenen oftmals bereits die bloße Ansprache und Anwesenheit von anderen. „Wer Verletzte nicht direkt erstversorgen kann, sollte zumindest einen Notruf absenden, die Unfallstelle absichern, oder einfach die Hand halten und mit den Betroffenen sprechen. Und selbst einen Motorradhelm abzunehmen, kann Unfallopfer schon vor dem Ersticken retten“, sagt Senn.

Dass automatisierte Defibrillatoren an Unfallorten genutzt werden, komme extrem selten vor, weiß er. Dabei sei hierfür nicht einmal ein Erste-Hilfe-Kurs notwendig. „Sie sind selbsterklärend. Die Geräte sprechen mit einem und sagen, wie sie angebracht werden müssen. Das kann im Notfall Leben retten“, sagt Senn. Die Überlebenschance von Betroffenen sinkt mit jeder Minute ohne Frühdefibrillation um etwa zehn Prozent, bevor der Notarzt zur Versorgung eintrifft.

Verfügbarkeit ist freiwillig

Ein weiteres Problem: Bisher sind Defibrillatoren keine Pflicht im öffentlichen Raum. Seit knapp 20 Jahren werben alle namhaften Hilfsorganisationen für den Einsatz öffentlich zugänglicher AEDs. In Flughäfen, Bahnhöfen, Fußballstadien und anderen öffentlichen Gebäuden finden sie sich meist im Eingangsbereich oder im Sanitätsraum.

So auch im Bodensee-Airport. Defibrillatoren des betroffenen Rückruf-Modells seien dort nicht im Einsatz, sagt Tobias Weber, Leiter der Flughafenfeuerwehr und Rettung. Außerdem werden neben den vorgeschriebenen jährlichen Sicherheitskontrollen auch zusätzliche monatliche Selbstkontrollen am Flughafen absolviert.

Friedrichshafen nicht betroffen

Genauso ist es auch bei den städtischen Einrichtungen. Die Defibrillatoren in den Häfler Bädern werden „von einer Spezialfirma einmal jährlich kontrolliert“, sagt Monika Blank, Pressesprecherin der Stadt Friedrichshafen, auf Anfrage der SZ. Außerdem seien alle städtischen Defibrillatoren von anderen Firmen und somit nicht von der Rückrufaktion betroffen.

Neben den Häfler Bädern gibt es noch Defibrillatoren im GZH, bei der Feuerwehr, im Zeppelin Museum und in den Eingangsbereichen der Parkhäuser „am See“ und „Altstadt“.

Weitere Informationen