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Malteser in Überlingen

SCHWAEBISCHE Zeitung: Weingarten - Lebensretter auf vier Pfoten bekommen keine Zuschüsse

02.09.2019
Hundeführer Christoph Huchler folgt seinem Hund Balu, während Kathrin Bock die Umgebung im Blick behält. (Foto: Oliver Linsenmaier)

Hoch konzentriert und auf schnellen Pfoten bewegt sich Balu durch den Altdorfer Wald bei Vogt. Der erfahrene „Man-Trailer“ ist mit seinem Hundeführer Christoph Huchler auf der Suche nach einer vermissten Person, die Balu dank seines ausgeprägten Geruchssinnes auch kurze Zeit später findet. Doch was in diesem Fall nur Trainingszwecken dient, kann im Ernstfall Leben retten.

Umso wichtiger ist die Aufgabe, die die Rettungshundestaffel der Malteser Ravensburg und Weingarten mit Sitz in Weingarten übernimmt. Doch obwohl sie einen unverzichtbaren Beitrag leistet, wird sie weder von Bund, Land oder Kommunen finanziell unterstützt. Ein grundlegendes Problem.

„Wir erfüllen einen staatlichen Auftrag, erhalten aber keine Aufwandsentschädigung“, sagt Udi Blaseg, Kreisbeauftragter der Malteser für den Landkreis Ravensburg. „Irgendwo fühlen wir uns ungerecht behandelt. Feuerwehr und Polizei bekommen ihre Ausstattungen vom Staat. Die Rettungsdienste und Hilfsorganisationen müssen sich alleine aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzieren.“

Auch Kriseninterventionsdienst und Sanitätsreiterstaffel betroffen

Und die Rettungshundestaffel ist damit nicht allein. Auch der Kriseninterventionsdienst oder die Sanitätsreiterstaffel sind davon betroffen. Gleiches gilt für alle anderen Rettungsdienstorganisationen. Auch das DRK, die Johanniter, der Arbeiter-Samariter-Bund oder die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bekommen für solche Einsätze keine Entschädigung.

Jedoch ist die Situation bei der Weingartener Rettungshundestaffel noch etwas spezieller. Schließlich werden sie zu Einsätzen im gesamten Landkreis, aber auch im Bodenseekreis im Landkreis Sigmaringen oder gar nach Ulm und Bayern gerufen. Zwar gibt es in Friedrichshafen ebenfalls eine Rettungshundestaffel, jedoch nicht mit geprüften Hunden. Und genau die braucht es, um bei tatsächlichen Suchen, dem sogenannten Man-Trailing, eingesetzt zu werden.

In Weingarten verfügt man aktuell über drei geprüfte und zwölf Hunde insgesamt. „Prinzipiell kann das jeder Hund machen, der Spaß daran hat. Man muss schauen, ob man den Hund dafür begeistern kann“, sagt Katrin Bock, die seit neun Jahren mit dabei ist und seit Anfang des Jahres die Staffel leitet.

Im Optimalfall beginnt man möglichst in jungen Jahren mit der zweijährigen Ausbildung. Je älter das Tier ist, desto weniger macht es Sinn. Schließlich wird zweimal pro Woche jeweils vier Stunden trainiert. Hinzu kommt der Theorieteil für die Hundeführer, die sich zum Notfallhelfer oder Einsatzsanitäter ausbilden lassen und lernen müssen, mit Karten und Kompass, Sprechfunk oder aber auch die Körpersprache des Hundes umzugehen.

In der Prüfung wird dann zwei Kilometer gelaufen. Dabei bekommen die Hunde einen Gegenstand der vermissten Person vorgehalten und können anhand ganz individueller Geruchsbilder, über die jeder Mensch verfügt, den Weg verfolgen, den der Mensch gegangen ist. „Für den Hund ist es ein Spiel und die Futtersuche. Sie bekommen eine Belohnung“, erklärt Bock. Allerdings: „Die Ausbildung vom Hund ist meistens nicht so aufwendig, wie die vom Hundeführer. Man braucht einen Einsatzsanitäter und eine Funkausbildung. Und es braucht einige Zeit bis man einen Hund lesen kann. Also dass man versteht, was der Hund einem zeigt.“

Demente Senioren oder suizidgefährdete Personen

Im Optimalfall können so vermisste Personen, meist demente Senioren aus einem Altersheim oder aber suizidgefährdete Personen gefunden werden. Oft endet die Suche aber auch an einer Bushaltestelle oder am Bahnhof. Und manchmal muss man auch die Hunde schützen, wenn es beispielsweise zu heiß ist. Denn im Gegensatz zum Menschen kann die Körpertemperatur des Hundes kurzzeitig auf 42 Grad Celsius steigen.

„Da muss man die Tiere auch schützen, dass sie nicht in einen Wahn verfallen. Im Sommer kann oft auch erst abends gelaufen werden, weil es zu anstrengend ist und die Tiere sich die Pfoten verbrennen“, erklärt Bock. „Bei längeren Einsätzen wechseln sich die Hunde dann auch ab.“

Und so wurde die Weingartener Rettungshundestaffel im Jahr 2018 33 Mal von der Rettungsleitstelle alarmiert. Die Einsatzleitung liegt dann aber meist bei der Polizei. Da jedoch neben dem eigentlichen Hundeführer auch immer eine weitere ausgebildete Person mitkommen muss, die auf die Umgebung und damit die Sicherheit achtet – der Hundeführer muss sich voll auf den Hund konzentrieren – ist der Aufwand nicht unerheblich. Da alle Hundeführer ehrenamtlich tätig sind, fände es Blaseg nur gerecht, wenn es eine Aufwandsentschädigung gäbe.

„Man sollte nicht noch Geld mitbringen müssen, wenn man sich schon ehrenamtlich und damit für die Gesellschaft engagiert. Es wird wahrscheinlich immer eine Lücke bleiben. Der Staat kann das Ehrenamt nicht komplett finanziell ausgleichen. Aber ein gewisser Sockelbetrag würde allen Organisationen helfen, um über die Runden zu kommen“, sagt er.

Teure Ausbildung und Ausstattung

Denn Ausbildung und Ausstattung kosten richtig viel Geld. Alleine die Einsatzbekleidung, die auch gesetzlich vorgeschrieben ist, wird mit 500 bis 800 Euro pro Person veranschlagt. Die Ausbildungen zum Sanitäter liegen bei 300 bis 400 Euro. Hinzu kommt die Hundeausbildung, für die es professionelle Hundetrainer braucht.

„Mein Wunschgedanke wäre, dass wir pro aktivem Helfer zumindest einen finanziellen Zuschuss vom Land bekommen, um damit einen Sockelbetrag abdecken zu können“, sagt Blaseg. „Ich wäre mit einem Betrag von 300 bis 500 Euro pro Helfer schon zufrieden.“

 

 

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