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Malteser in Überlingen

SÜDKURIER Konstanz: Nike als Herzensbrecher im Heim

06.11.2019
Schwester Gonzaga ist begeistert von Nike, dem Besuchshund der Malteser. Er ist zusammen mit der Halterin Bettina Hanzo Gast im Altenpflegeheim des Klosters Hegne. Der Mischling genießt die Streicheleinheiten.

Besuchshund der Malteser begeistert Senioren - neuer Kurs zur Ausbildung startet.

Konstanz/Hegne - Nieke zaubert gute Stimmung in den Raum. Der Hund mit dem lockigen Fell, ein Mischling aus golden Retriever und Großpudel, braucht nur Sekunden, dann hat er die meisten Herzen erobert - auch im Altenpflegeheim Maria Hilf in Hegne. Kaum hat er das Haus betreten, in dem viele Schwestern des Klosters ihren Lebensabend verbringen, ruft ihm eine der Ornatsträgerinnen ein fröhliches "Hallo Hund!" entgegen. Seniorinnen mit Rollatoren kommen auf das Tier zu. Einge wollen es streicheln. Nike bleibt ruhig, und scheint die Aufmerksamkeit zugenießen. Der Hund kennt das schon. Besitzerin Bettina Hanzo ist regelmäßig zu Gast im Heim. Denn sie hat Nike beim Malteser Hilfsdienst zum Besuchshund ausbilden lassen. Nun gehört sie in Konstanz zu den vier ehrenamtlichen Teams, die in Einrichtungen für Kinder, Senioren und Behinderte Herzen öffnen und zur Kommunikation anregen wollen. Im Gemeinschaftsraum  des Altenpflegeheims funktioniert das bestens. "Bist Du schön!", lobt eine der Schwestern. Eine andere schwärmt: "So ein Geschenk!" Bettina Hanzo bietet ihr an, dem Hund ein Leckerli zu geben. Sie nimmt den Happen und legt ihn auf die Strebe des Rollators. Erst als Bettina Hanzo ein Kommando gibt, schnappt sich Nike den Leckerbissen. Der Hund hat gelernt, zu warten, bis ihm Frauchen das Essen erlaubt. Diese Disziplin ist wichtig - vor allem in einem Pflegeheim. Der Hund darf dort nicht nach allem schnappen, was herumliegt oder ihm Bewohner anbieten. Denn es könnte für das Tier Unverträgliches oder gar Lebensgefährliches sein, etwa eine Tablette.

Bettina Hanzo ist 53 Jahre alt. 50 Jahre lang, so sagt sie, habe sie sich einen Hund gewünscht, aber als Kind habe sie ihn nicht bekommen, und als sie erwachsen war, habe ein Tier lange nicht in den Berufsalltag gepasst. Als dies anders wurde, habe sie sich für einen Hund entschieden. Schon lange bevor bei ihr aber tatsächlich Nike einzog, habe sie einen Artikel über die Besuchshunde der Malteser gelesen, und sich immer vorgenommen, wenn sie je einen Hund haben sollte, werde sie mit ihm die Ausbildung versuchen. Sie machte den Vorsatz wahr. Die Ausbildung - im Wechsel Theorie und Praxis - sei allerding gar nicht so einfach gewesen, erinnert sich Bettina Hanzo. "Wir waren vorher nicht in der Hundeschule". Auf dem Übungsplatz habe Nike lernen müssen, dass sie mit den anderen Hunden nicht spielen, sondern sich auf ihre Aufgaben konzentrieren sollte. Das sei die wahrscheinlich schwierigste Übung für das Tier gewesen.

Bei den Besuchen im Altenpflegeheim suchen sie und Nike zwischen drei und fünf Personen auf, darunter beispielsweise Bettlägrige, die an den Aktivitäten im Heim nicht teilnehmen können. Nike legt sich dann auf einen Rollkasten, der die Höhe der Bettkante hat. So kann auch eine liegende Person das Tier mit der Hand erreichen, so wie eine bettlägrige Frau aus dem Heim in Hegne. Anfangs führt die begleitende Schwester die Hand. Später bewegt die Frau sie eigenständig am Fell des Hundes hin und her. Hinterher sind sich alle einig. So wach und aufmerksam sei die Frau schon lange nicht mehr gewesen. Nike ist nicht nur ein besonders netter Hund, er hat auch noch genau die passende Streichel-Grösse für Menschen, die im Rollstuhl sitzen. Auch das ist ein Vorteil beim Einsatz als Besuchshund.

"Man hat das Gefühl, man tut was Gutes", sagt Bettina Hanzo über die ehrenamtlichen Besuche. Eine Frau habe immer gesagt: "Ihr seid das Highlight der Woche!" Die Besuchsteams der Malteser sind immer in den selben Einrichtungen im Einsatz. So lernen sich Bewohner und Besucher mit der Zeit näher kennen. "Sie sind eine Bereicherung", sagt Michael Hartwich, der Leiter des Hegner Pflegeheims. Die bedingungslose Zuwendung durch ein Tier, das keine Unterschiede mache, ob einer alt oder jung, fit oder gebrechlich sei, werde geschätzt. Er sei froh über die Besuchsteams. In Konstanz gebe es nur ein Heim, welches keine Besuchshunde im Haus wünsche, sagt Silvia Baumann vom Referat für soziales Ehrenamt bei den Maltesern in Konstanz.

Sie begleitet das Projekt Besuchshunde seit dem Jahr 2009. In dieser Zeit habe sie Bewegendes erlebt, berichtet sie. Einmal sei beispielsweise ein Besuchshund auf Wunsch der Angehörigen bei einer Beerdigung dabei gewesen. Grunsätzlich, so sagt Silvia Baumann, sei die Besuchshund-Ausbildung nicht gleichzusetzen mit der zu einem Therapiehund. Besuchshunde wirkten wohltuend, manchmal vielleicht sogar therapeutisch.

Die Ausbildung

Die Vorraussetzungen: Die Ausbildung zum Besuchshund dauert etwa vier Monate. Der Zeitaufwand pro Woche liegt zwischen zwei Stunden für die Theorie und vier Stunden für die Praxis. Es kommen Hunde im Alter zwischen 15 Monaten und drei Jahren in Frage, die gern auf Menschen zugehen, und sich gern streicheln lassen. Welcher Hund sich wirklich eignet, zeigt ein Test beim Hundetrainer.

Der Infoabend:

Die Malteser Konstanz informieren am Mittwoch, 20.November, um 19.00 Uhr im Seniorenzentrum der malteser in der Fürstenbergstr. 68 in Konstanz über Details zur Ausbildung und den Test. Interessenten sollten unbedingt ohne ihren Hund kommen. Weitere Informationen bei der Koordinatorin Silvia Baumann, Telefon: 07531/8104-82, Mail: silvia.baumann(at)malteser(dot)org

 

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